Das Abendmahl Teil 2


Wenn ich tief in meinem Innern der Überzeugung bin, dass ich ein vorgegebenes Ziel nie erreichen kann, auch wenn ich es, von aussen betrachtet, erreicht habe, stehe ich in einer grosse Gefahr. Ich erhebe an mich den Anspruch immer mehr zu erreichen, als dass ich schon erreicht habe. Die Gefahr besteht nun darin, dass ich diesen Anspruch auch auf meine Geschwister übertrage.
Wieso sollten die es schaffen, wenn ich es auch nicht kann? Sie sind zwar nett und freundlich, aber … im Endeffekt genügt das nicht.
In der Teilnahme am Abendmahl wende ich mich dem zu, der mir diesen Filter von den Augen nehmen kann. Es ist einzig Christus, der mich meinen Nächsten so sehen lässt wie er wirklich ist. Getrennt von Gott – genau wie ich.
Wir können uns nicht begegnen ohne dass wir Forderungen an den Andern stellen. Die Frau versucht dem Mann zu erklären wie schwierig ihr Tag war. Er hört nur mit einem Ohr zu und denkt, dass sein Tag noch viel komplizierter und anspruchsvoller war. Schliesslich ist sein Chef ein studierter Mann, und sie betreut Kinder. Ohne dass er die Forderung nach Anerkennung ausspricht fordert er diese ein, gibt ihr aber keine.
Das Nachtessen wird zum nächsten Schlachtfeld. Sie merkt, dass er mit seinen Gedanken noch in der Arbeit ist. Er lobt das Essen kaum und die Kinder sollten ruhig und anständig essen schliesslich hat er den ganze Tag schwer gearbeitet. Er fordert weiter, dass sie die Kinder im Griff hat. Schliesslich hat er sein Team im Büro fest im Griff. Zumindest lassen das die Geschichten aufleuchten denen sie andächtig stundenlang lauschen darf. Dabei abwechselnd anerkennend nicken, belobigend und bei Bedarf applaudieren.
So oder ähnlich, auch mit vertauschten Rollen und entsprechenden Tätigkeiten, begegnen wir uns häufig. Jeder von uns wurde darin geschult sich selber anzutreiben, zu fordern und über ungenügende Leistung unzufrieden zu sein.
Verloren geht uns dabei, dass wir uns selber und andere für die erbrachte Leistung danken können und sollen. Dabei rede ich jetzt nicht von der beiläufigen Anerkennung oder dem Lob bei ausserordentlich geleistetem.
Mir persönlich geht es um die generelle Anerkennung „es ist gut, dass du da bist".
Kein weil. Also nicht "es ist gut, weil du da bisst". Da steckt die Forderung schon wieder drin.
Es ist gut so, dass du da bist.
Doch auch kein Flüchten in die Beziehung. Damit mir jemand sagt, dass es gut ist da zu sein. Damit fordere ich indirekt schon wieder. Und wenn ich das nicht erlebe? WEnn die Gemeinschaft, wie auch immer sie besteht, mir das nicht geben kann/will?
Nichts schmerzt mehr, als im Wir allein zu sein.
Nichts schmerzt mehr, als in einer Ehe allein zu sein.
Nichts schmerzt mehr, als in einer Gemeinde allein zu sein.
Nichts zerstört die Gemeinschaft mehr, als es meine Forderungen an die andern und an mich selbst tun.

Wie gehe zum Abendmahl?
Was ist meine innere Haltung, auf was richte ich mein Innerstes aus?
Bin ich bereit zu hören?
Bin ich bereit entsprechend zu handeln? 

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