Erinnerung

Ich hole etwas aus meinem Innern heraus indem ich es, für meine Zuhörer oder Leser, in verständliche Worte kleide oder ein-hülle.

Dabei spielt es eine grosse Rolle, welche Kleider ich den Bildern gebe. Nicht nur in Bezug auf das Verstehenkönnen für meine Zuhörer, oder Leser meiner Artikel.

So ist es wichtig, dass ich Bilder die eine Distanz darstellen, in ihnen in entsprechende Worte kleide. Eine Badenixe im Bikini ist viel näher als eine Frau im Kapuzen Parka, im Niqab oder der Burka.

Was nicht funktioniert ist, wenn ich über etwas schreibe, oder etwas spreche, das nicht vorhanden ist. Und trotzdem hat es gerade funktioniert, weil alle diesen Satz verstehen. Was nicht vorhanden ist, gibt es nicht. Doch selbst dann wenn ich sie bitte an nichts zu denken, denken sie an etwas Spezifisches, das für sie persönlich dem nichts eine Bedeutung gibt. Wir können also gut und gerne über das nicht vorhandene Nichts sprechen. Und das deshalb, weil es sprachlich vorhanden ist. Weil wir sofort ein Bild aus unserem Innern herausholen.

Wenn wir davon ausgehen, dass nichts vorhanden ist, denkt jemand an eine Wüste die keine Pflanzenfülle aufweist. Oder an eine rostige Konservendose ohne Deckel und ohne Inhalt. Nichts ist da. Nichts füllt die Hülle aus. So ist es ja auch mit der Erinnerung. Was also nicht drin ist, im Innern, kann auch nicht in Worte gehüllt und so weitergegeben werden. Nur was in einer Hülle ist, kann neu verhüllt weitergegeben werden.

So ist es auch mit dem leeren Grab. Das nichts ist von einem Grab umhüllt. Und somit nennen wir es leer. Wenn also ein Mensch in dem das Leben nicht mehr ist, also ein Toter, in ein Grab gelegt wird, dann ist es nicht mehr leer. Wiraben die Fülle ausgetauscht. Nicht leer bedeutet ja, dass etwas da ist was die Leere vertreibt. Das Grab ist jedoch leer, den Inhalt wollten sie holen und weiterverarbeiten. Doch sie wurden informiert (in Form gebracht), dass der Inhalt anderswo zu sehen ist.

Er ist nicht tot. Das bedeutet ja, dass das Leben immer noch in ihm ist. Die Hülle ist nicht leer. Zunächst sahen ihn einige wenige, bald schon aber einige hunderte. Sie füllten ihr Inneres mit der sichtbaren Tatsache, dass Jesus nicht im Grab liegt, sondern direkt vor ihnen steht. Es ist nicht mehr von der Hand zu weisen, weil es sich in den vielen als sichtbare Wirklichkeit ereignet hat. Und weil es sichtbar war, ist es in die sehende Menschenmenge als Bild hinein gegangen. Das Ereignis ging als Bild in die Menschen hinein.

Später konnten sie das Bild in eigene Worte kleiden und so an weitere Menschen übergeben. Doch ist eine Leere bezüglich der Auferstehung vorhanden. Ich habe kein Bild wie das aussieht. Ein Mensch ist zuerst tot, entleert vom Leben, und dann wieder gefüllt mit Leben. Ich kann es nicht glauben, weil meine Augen dieses Ereignis nicht gesehen haben. Sehen bedeutet ja, dass ich ein Bild in mir habe.

Die Augenzeugen, der Auferstehung Jesu, trugen dieses Ereignis als Bild in ihrem Innern mit sich. Wann immer sie wollten, konnten sie dieses Bild betrachten. Es war ihr persönlicher Schatz. Die zwei Männer die zu Fuss aus der Stadt heimkehrten wurden unterwegs angesprochen und dieser Begleiter holte im Gespräch Worte und Ereignisse aus längst vergangenen Tagen hervor. Die zwei Männer konnten sich ein Bild davon machen wovon der Mann redete. Das Bild brannte in ihrem Innern regelrecht, so stark spürten sie die Verbindung die, in dem gesprochenen Bild, sichtbar und auch spürbar wurde.

In dem Moment, in dem sie sahen und hörten wie er das Gebet, vor dem gemeinsamen Essen sprach, das Brot brach und austeilte, wurde ihnen klar wem sie begegnet sind. Das Bild gewann, durch die Erinnerung an das Gespräch während der Heimreise, an Fülle. Die Leere der Wüste wurde durch einen blühenden Garten ersetzt. Die Pflanzen bestanden aus den Hinweisen auf Jesu Erscheinen, Tod und Auferstehung hin. Und ihn hatten sie erlebt, damals in Jerusalem. Und nun sie sehen, dass er lebt.

Dieses Bild füllte sie so sehr aus, dass es keinen Platz mehr in ihrem Innern hatte. Und so hüllten sie es in ihre Worte und gaben es so denen weiter, die sich ihrerseits ein neues Bild davon machen konnten, dass Jesus lebt. Und als diese kleine Gemeinde in Jerusalem Gottesdienst feierte, wurden sie so ergriffen, dass sie in verschiedenen, ihnen unbekannten Sprachen sprechen konnten um das Bild weiter zu verbreiten.

Diese Erinnerung wird nun schon seit zweitausend Jahren weitergegeben. In die unterschiedlichsten Kleider gehüllt wirken sie immer noch. Sie füllen eine Leere die durch nichts anderes gefüllt werden kann. Alles andere, was ich in meinem Leben sehen und mittragen kann, gelangt nicht zu dieser Fülle, die dieses Bild vom auferstandenen Sohn Gottes in mir erreichen konnte.

Ich bin dankbar, dass dieses Grab verlassen wurde, dass diese Leere gesehen wurde und dass diese Leere von Menschen durch die Jahrhunderte weitergetragen wurde. Genau wie diese zwei Männer kann ich nachforschen ob das stimmt, was in den alten Schriften niedergeschrieben wurde. Ich kann es über das Bild halten welches ich aus den neueren Schriften erhalte und so die Übereinstimmung erkennen. Viele Menschen vor mir haben das schon getan. An dem was sie herausgefunden haben, kann ich mein Bild, mein Ergebnis, überprüfen und ergänzen.

Und das Wort ergänzen bringt mich an den Beginn dieses Textes. Das Bild wird ganz durch meine Erinnerung und die der Anderen die mit mir auf diesem Weg sind.

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