the show must go on

The show must go on – Die Show muss weitergehen. So sang Freddie Mercury im gleichnamigen Song der mit anderen für das Album Innuendo – Andeutung, Anspielung aufgenommen wurde. Das war kurz bevor die Öffentlichkeit erfuhr, dass er homosexuell und an AIDS erkrankt war. Doch während das eine kein Schock für seine Fans war, bedeutete damals die Diagnose AIDS den baldigen Tod. Für sich wie für seine Fans interpretierte er mit Inbrunst diesen Titel. Wollte er doch, so mutmasste ein Musikjournalist damals, andeuten was mit ihm gerade geschieht. Und dazu wollte er gesagt – besser gesungen haben - die Show des Lebens muss weitergehen. Es kann doch nicht sein, dass mit dem Tod alles vorbei ist. Und es ging weiter, auch wenn für das Ausnahmetalent Freddie kein ebenbürtiger Ersatz gefunden wurde. Und da sind wir schon unversehens bei dem Schwerpunkt dieser Geschichte. Die Show ist ein Ersatz für das tatsächliche Leben. Es ist das aus mir herausgekehrte, laute und schnelle Leben. Doch wirklich mit mir selber in Kontakt bin ich, wenn ich alles langsamer angehe. Für die Show des Lebens genügt das nicht. Es geht uns im Grunde doch allen so. Natürlich nennen wir das nicht Show. Wir sagen dazu – man macht das eben so. Dann ist man für die einen richtig und für die andern falsch. Und für viele dazwischen ist man einfach so wie man ist. Als gäbe es da keine Show, oder keine gesellschaftlichen Strukturen die mich so oder so oder dazwischen qualifizieren. Ihr merkt, es wird immer komplizierter.

Da erreicht mich ein Satz von Dietrich Bonhoeffer der in einem Gedicht schreibt „Wer bin ich?“. Darin erzählt er wie er von aussen angesehen und beurteilt wird. Und auch wie er sich selber sieht. In diesem Gedicht erkenne ich diese zwei Seiten die alle von uns haben. Diese Seite, die nach aussen gerichtet ist und das Innere, das, was ich wirklich bin. Und ich verspüre den Kampf den Bonhoeffer kämpft. Das zu sein, was die andern denken und sagen was er sei und nicht erkennen zu lassen was er wirklich ist. Und doch, durch das Schreiben des Gedichtes steht er voll und ganz zu diesen beiden Seiten. Ich möchte euch nicht vorenthalten was die Mitte in seinem Leben ist, die Basis, der Fels, die Person die dafür verantwortlich ist, dass er nicht auseinander gerissen wird. „Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott. Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!“

Diese Mitte verhindert, dass ich darauf hereinfalle, so zu sein wie alle mich haben wollen. Sie lässt aber auch nicht zu, dass ich mit meinem so anders sein, meinen Nächsten Schaden zufüge. Diese Spannung bleibt und ich finde sie ist auch gut so. Ich erkenne im – man macht das so – einen Glauben, der an und mit mir geschieht. Es ist kein Glaube der aus mir heraus, mit mir und mit andern, in Beziehungen sich ereignet. So wünsche ich mir und uns allen, dass wir unsere Show durchbrechen und immer deutlicher mit unseren harmonischen Stärken und schneidenden Schwächen uns begegnen können. Und darin uns aushalten, wie Bonhoeffer.

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