Montag

Montag

Schweissgebadet wache ich auf. Bildfetzen des Traumes flattern wie aufgescheuchte Krähen lärmend durch meinen Kopf. Noch schlaftrunken stehe ich auf und beginne den Tag. Doch weder Tee noch Kaffee lösen den inneren Druck. Immer wieder leuchtet ein Zipfelchen des Traumes auf. Ich kann mich nicht wirklich erinnern was es genau war. Zu dem Druck in meiner Brust gesellt sich ein feiner, hartnäckiger Schmerz im Kopf über dem rechten Auge. Ich fühle mich müde und ausgelaugt und das an einem Montagmorgen. Bob Geldof sang mal „I don’t like Monday.“ Ich mag den Montag nicht. Naja, später dichtete jemand dazu „macht nichts, Montag mag dich auch nicht“. Aber auch dieser Gedankengang vermochte weder Kopfschmerzen noch Traumerinnerung zu vertreiben.

Es ist schon länger zurück, seit ein Traum mich so fesselte. Was könnte ich tun um zu verstehen was es damit auf sich hatte? So pendelte ich zwischen Kopfschmerz und Bildfetzen hin und her. Und begann mich zusätzlich noch zu ärgern, dass ich durch nichts mich in die Situation meines Traumes zurückversetzen konnte um etwas davon erkennen zu können. Das danach macht keinen Sinn, denn das ist meine Fantasie die eine Geschichte daraus entwickelt.

Als ich einem Bekannten von mir davon erzählte, überrollte er mich mit Tipps und Tricks wie ich mich eines mir durch die Hände schlüpfenden Traumes doch noch bemächtigen könnte. Vom Dämmerzustand über skizzieren, zeichnen, malen bis aufschreiben oder ein Gedicht formulieren war alles dabei. Inklusive spazierengehen, Tee trinken, tief durchatmen, strecken und dehnen. Nochmals einschlafen mit Konzentration auf das letzte Bild des Traumes … er wollte kein Ende finden.

Mein Kopf schmerzte inzwischen dumpf vor sich hin. Mittenhinein ruft mich jemand an der eine Zufriedenheitsumfrage der Schweizer Bevölkerung machen möchte. Naja, trifft mich in meiner besten Verfassung an. Nachdem er sein Sätzlein formuliert hat, das sich dann wie ein Würmlein durch meinen immer noch schmerzenden Kopf drängelte, wünschte ich Ihm einen wundervollen schönen Tag und kappte die Verbindung. Das – brauche ich jetzt gar nicht.

Inzwischen ist Mittag. Mit einer dampfenden Schüssel Nudeln sitze ich im Garten und denke über den Morgen nach. Plötzlich steigt der Gedanke in mir hoch, dass es gut ist, dass Gott mich versteht. Kein Wort von was ich alles anders machen sollte oder könnte. Nicht die Spur von ätzendem Genörgel und Besserwisserei … obwohl das für ihn in keiner Weise anstrengend gewesen wäre. Auch den Traum erklärt Er mir nicht. Ich kann ihn einfach vor ihm liegen lassen ohne dass Er ihn kommentiert oder für mich interpretiert. Kein du solltest oder würdest du dann ginge es … – nichts davon. Gott lässt das stehen was ist und umgibt mich mit allem was ich brauche. Wie gesagt, sitze ich mit meiner Schüssel Nudeln im Garten. Ich höre die Bienen summen, die Vögel zwitschern. Rieche frisch geschnittenes Gras und Blätter von den Bäumen. Die Sonne wärmt mich sanft. Ruhe kehrt in mein Inneres. Und dann spriesst das Lied von Paul Gerhardt in meinen Gedanken auf: Geh aus mein Herz und suche Freud. Es ist zwar noch nicht Sommer, aber die Freude lässt sich immer finden wenn wir uns nicht von den Alltäglichkeiten ablenken lassen.

 

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