Brich dein Schweigen

In meinen jungen Jahren dachte ich wohl, dass alles immer sehr schnell gehen muss, weil sonst ein anderer mir etwas wegnimmt. Mittlerweile weiss ich, dass ich genau das bekomme was ich brauche. Niemand kann etwas aus meinem Leben nehmen oder mir etwas vorenthalten. Das ist eine grosse Lüge die mich antrieb und ich dadurch sehr viel Leid verbreitete.

Ich hoffte auf so manches das ich dann auch erreichte. Träumte von Ereignissen und Zielen die verblassten ohne Gegenwart zu werden. Und ich träume und hoffe immer noch. Was mir heute widerfährt, hilft mir das eine vom andern zu unterscheiden. Das macht mein Leben langsamer und erträglicher für mich und meine Mitmenschen.

Manchmal passiert es mir dann doch wieder. Dass sind die Momente in denen ich versuche Träume mit aller Kraft zu verwirklichen. Oder Hoffnungen zu zwingen sich vor ihrer Zeit zu erfüllen. Dann leide ich an mir selbst und mache andere dafür verantwortlich. Dann stosse ich mich und meine Mitmenschen aus meinem Leben und finde keine Rast und Ruhe. Bin verbissen in den Zwang mehr zu leben als mir zu leben zusteht. Ich erlebe, dass genau das nicht funktioniert. Dass die Verantwortung für mein Leben nur in mir selbst zu finden ist. Ich selbst habe die Antwort auf das was mir heute passiert. Meine Sicht und Entscheidung, wie sich der heutige Tag in mein Lebenspuzzle einfügt, ergeben mein Bild von meinem Leben.

Ich erlebe es als grosse Entspannung zu wissen, dass da jemand weit über mir ist. Wie nahe dieses Wesen, das ich gerne Vater nenne, wirklich ist kann ich nicht genau ermessen. Im Moment habe ich ein sehr wohliges Gefühl, so wie wenn sich eine Hoffnung erfüllt die ich so sehr ersehnte. Ein Ahnen, dass etwas grösseres mein Leben umhüllt und schützt. Mir eine Fülle gibt die ich mit meinen Händen nie erschaffen könnte.

Ich danke Dir Jesus, dass Du für mich den Weg zum Vater frei gemacht hast. Das wäre mir nie gelungen, falls es mir überhaupt in den Sinn gekommen wäre.

Abba, lieber Vater, mein Herz ist Dein. Du hast Dein Schweigen gebrochen und liessest mich nicht allein. Du bist auch jetzt da und trocknest meine Tränen.

Du sagts: Die Erinnerung, an all das Leid das du verursachtest, oder erlebtest, ist nur ein machtloses Geräusch das dich manchmal verunsichert.


Pfingsten 1986 in einer Kapelle im Wallis betete ich die Liedzeile aus dem Lied „Lieber Gott“ von Peter Maffay. In der Erinnerung fasste ich damals den Text etwa so zusammen: „Lieber Gott wenn es dich gibt, brich dein Schweigen und lass mich nicht allein.“

Dieses Gebet hat sich in meinem Leben erfüllt und es füllt mein Leben immer noch.

Kommentare

Beliebte Posts